…wundervoll zuckersüße Lieblingsgrüße

Ich weiß nicht, woran es liegt, aber die meisten Leute sind erstmal total verwundert, wenn sie erfahren, dass ich in meiner Freizeit ausgleichstechnisch gerne mal zu den Nadeln greife. Also Stricknadeln. WAAAAS?!? DU strickst?!? DAS hätte ich jetzt nicht gedacht…

Also bitte…ich meine was soll das? Was denkt „man“ denn von mir? Dass ich erfischenden Hobbys wie Axtmord, Tierpräparation oder illegalen Autorennen nachgehe? Natürlich tue ich all das nicht. Und ich sehe auch nicht so aus…hoffe ich (die einen sagen so, die anderen sagen so…) Aber gerade zum Ausgleich für meinen recht drögen (im Sinne von wenig kreativem) Job und meine ansonsten eher sportlich und zockerisch gelagerten Hobbies finde ich Stricken gut. So!

Keine Angst – hier wird es jetzt demnächst keinen Austausch über Strickmuster oder die flauschigste Wolle geben (wobei ich sagen muss, dass ich Stricknadeln aus Karbon habe – hallo…KAR-BON! Die sind schwarz und silber…wie geil ist das?!?) aber ich nutze das Netz der Netze schon recht rege, wenn es darum geht das ein oder andere schicke Muster zu finden und/oder mich inspirieren zu lassen. Die Fülle an Blogs und Plattformen zu dem Thema ist ja echt riesig…

Zwangsläufig kommt man dann, wenn man nach Strickkrempel sucht, auch zu den Nähmuttis, Backmuttis und Dekomuttis, die ich – ich versuche das mal diplomatisch zu sagen – manchmal echt fragwürdig finde.

Diese ganze rosarot-fluffige heile Welt Attitüde mit Friede-Freude-Eierkuchentouch ist echt nicht meins. So gar nicht. Gut – gezz kann man sich gerade in der heutigen Zeit sagen: wenn überall um einen rum irgendwelche Vollidioten mehr oder weniger „motiviert“ Bomben zünden, leute killen oder andere unschöne Sachen machen, dann braucht man vielleicht genau sowas, aber für mich ist ein Großteil dieser „Muttis“ echt eher unter weltfremd ein zu ordnen…oder unter extremst nervig!

Egal…ich will aber nochmal deutlich anmerken: viele NICHT alle! *hust* jedenfalls nervt mich so ein getue allgemein schon ziemlich und wenn ich dann auf Blogs stoße, in denen die Worte:

liebevoll
wundervoll
hübsch
lieblings[insert: Zusatz]
herzallerliebst
Prinzessin/Räuber
wunderbar

gar inflationär genutzt werden, kommt mir des öfteren der Kaffee wieder hoch. Meine Fresse! Das fucking Leben ist kein Ponyhof…leider, aber kommt schon. Glaubt ihr das alles, was ihr da so klebrig vor euch hinseiert?!? Und dieses unfassbare hochgejubele des eigenen Nachwuchses. [großer Aufschrei] ich habe noch keine Kinder, aber ich hoffe es (wenn es mal soweit ist) mit allen Kräften abwenden zu können SO zu werden. Klar sollte man seine Kinder auch loben usw., aber für jeden Furz ne Konfettikanone ab zu feuern und alles hutschi-tutschi hoch zu jubeln und dem Blag ’n Wunderbeutel an zu hängen…bitte! Nicht!

Mir missfällt das. SO! Stein des Anstoßes für diesen Aufreger meinerseits sind übrigens gleich zwei Dinge.

Ich bin selbst Opfer einer ach-wie-toll-Bloggerin geworden, die ein Strickbuch zweier norwegischer Herren anpries, wie geschnitten Brot…so liebevoll sei es gemacht, die Ideen seien alle gar wundervoll und herzallerliebst und man fände so viele hübsche Sachen darin…ein Träumchen -_____-

Ich zählte für mich 1 + 1 zusammen, denn da ich stricken kann und einen Garten besitze, dachte ich, dieses Buch würde mir helfen beides zu kombinieren.

Epic fail!

Wenn ich ein Strickbuch kaufe, erwarte ich Strickmuster. Ausschließlich. Ich erwarte nicht:

  • Häkelanleitungen
  • Stickmuster
  • Anleitungen zu einer komischen Technik bei der man aus langen Strickschnüren irgendwelche Figuren zusammenlegt
  • Nähanleitungen

Jetzt sind Geschmäcker ja zusätzlich noch unterschiedlich, aber die Dinge, die letztendlich zum Stricken da drinnen sind, gefallen mir nicht und/oder sind die Kohle einfach nicht werd. Klassischer Fehlkauf.

Bwah!

Noch viel schlimmer…halt…nein…verstörender…ist aber eine Entdeckung, die ich neulich machte, als ich auf der Suche nach „Önspîrátìon“ war. Ich stieß auf einen Blog, in dem eine Dame unter Realnamen bloggt, die mir nicht unbekannt ist. Quasi eine alte Schulkollegin von mir…

Damals – ins besondere was hart Feiern, Partys usw. anging – noch ganz vorne dabei, ist sie jetzt anscheinend zur Megamonstermastermutti mut(t)iert *mwaha* die Dame betreibt einen klebrig süßen Muttinähblog, in dem sie die komplette und mittlerer Weile mehrere Kinder starke Familie aus allen Perspektiven in selbstgeklöppelte Stöffchen gehüllt präsentiert und dabei Sachen absondert, bei denen mir echt die Stulle aus dem Gesicht fällt.

Sowohl Mann als auch Blagen müssen herhalten und ganz besonders gerne präsentiert sich Mutti natürlich auch selbst. Hochgejubelt von einer Schaar ausschließlich weiblicher Kommentatorinnen, die immer wieder und ständig bekräftig, was für ein Talent sie doch sei und wie fantastisch sie noch nach ihrer nicht geringen Anzahl an Nachwuchs aussieht. Haaaach – wie toll du aussiehst. Awwww…deine Haare sind so klasse. Ohhhh…wenn ich DEINE Figur hätte, könnte ich auch alles tragen. Und die Kiiiiinder…die sind ja alle so toll. Zuckersüß! Prinzessin hier – Räuber da…blablablabla…hat mal einer einen Eimer für mich? Mir kommt’s schon wieder hoch…der Hund wird natürlich auch präsentiert und Mutti wird nicht müde darin zu betonen, dass sie diesen wundervollen Familienausgleich neben ihrem gar stressigen aber natürlich total erfüllenden Job braucht, den sie als Karrierefrau natürlich nicht wegen den Kindern aufgegeben hat (Kunststück, wenn man verbeamtet ist, halbtags schafft und man in einem kleinen Kackdorf wohnt, in dem sämtliche Verwandte Gewehr bei Fuß stehen, um die Nachkommenschaft zu bespassen)

Grau-en-haft…

Muss ja am Ende jeder sehen, was er macht und so von sich preisigbt, aber das ist mir too much. Ich kann ehrlich gesagt auch nicht glauben, dass diese Rosawattewelt wirklich 1:1 so läuft, wie die Dame(n) uns glauben machen wollen. Wäre zwar schön für sie, wenn sie das echt so wollen, aber ich glaube nicht dran.

Vielleicht bin ich aber auch nur neidisch *umkipp*

Over and out…

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13 Kommentare

  1. Also, ich hoffe ich trete damit niemandem auf die Füsse…
    Aber Halbtags schaffen und Karrierefrau erschließt sich mir absolut nicht.
    Ich habe eine Kollegin die (bildlich) direkt aus dem Keissal wieder ins Büro ist. DIE ist echt hardcore und eine Karrierefrau.
    Aber verbeamtet und halbtags??
    Ähhm…

    Ich sehe mich nichtmal als Karrierefrau, obwohl ich vor lauter Job nichtmal die Zeit hab ne Handyhülle zu nähen….

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    1. …mnjaaaaa…wie gesagt – ich finde das auch alles hoch übertrieben und grauenhaft. Den Job, den ich jetzt mache, kann ich mir mit Kind dann auch knicken…gegen Halbtags hab ich auch nix, aber dieses aufgeblasene Getue von der Ollen…DAS regt mich auf!

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  2. Ich weiß, welche Blogs zu meinst. In mir hegen die ambivalente Gefühle. Irgendwie wirkt das alles so „idyllisch“… Mutti kommt nach Hause, kocht sich erst mal einen Kakao, wirft einen Blick in den heimeligen Garten und fängt dann von einer inneren Ruhe beseelt an zu banken, stricken, dekorieren bis die Lieben heimkommen und sich alle gemeinsam an den schönen Dingen erfreuen… ich frage mich dann immer: warum ist es bei mir nicht so harmonisch, warum ist bei mir alles so anders, was mache ich falsch? Entweder diese Leute haben das Lebensrezept gefunden (Glück für sie, offenbar kann ich von ihnen was lernen…) oder sie tun nach außen nur so, was ich wiederum ziemlich bescheuert fände…

    Ich kann’s schon verstehen, wenn man sich in der „heutigen Welt“ irgendwie versucht auf seine kleine Welt zu besinnen und sich die so schön wie möglich zu machen (oder zu schreiben). Aber… zu viel ist manchmal einfach zu viel. Und Glaubwürdigkeit ist für mich ganz wichtig.

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    1. Irgendwie gut, dass es nicht nur mir so geht. Manchmal fühle ich mich irgendwie „asi“, wenn ich mich über das (angebliche) Glück anderer aufrege, aber manchmal ist das alles so furchtbar aufgesetzt und weichgespült, dass mir echt ganz anders wird…
      Und in diesen Momenten frage ich mich dann auch – what the fuck went wrong oO wobei ich heute schon glücklicher bin, als vor ein paar Jahren, aber ich bin einfach nicht der Typ für so ein Geseier glaube ich…

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  3. Ich habe immer gehofft, so nicht zu werden! Ich glaube schon, dass ich es bis jetzt geschafft habe. Da Sohn2 mittlerweile fast 16 ist, besteht m.E. auch keine Gefahr mehr, ins Zuckerwatte-Muttisein abzudriften. Puh, Glück gehabt!

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  4. *gnihihi* Ich falle lachenderweise fast vom Stuhl! Großartig! Und so wahr. :razz: Ich vermisse das anonyme Bloggen so sehr, aber ehe ich jetzt bloggenderweise so richtig auf den Tisch haue, überlege ich mehrmals, ob das so klug ist. *g* Aber machen Sie mal so weiter, dann weiß ich wenigstens, wo ich mich abreagieren kann, wenn mir zu viele Räuber, Prinzessinnen und glitzernde Einhörner über den Weg gelaufen sind. Hach… :mrgreen:

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    1. Danke…naja, etwas Anonymität ist manchmal schon nicht schlecht, aber grundsätzlich bin ich bemüht auch „in echt“ ehrlich zu sein. Kommt allerdings auch nicht immer gut…*hust*

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