WBBF…

Diese durchaus abstrus wirkende Überschrift erklärt sich im Verlauf des Eintrages…

Heute wieder ein Beitrag zum Thema: der ganz normale Wahnsinn. Wenn man denkt, SO bescheuert KANN keiner sein, wird man ja regelmäßig eines Besseren belehrt…so auch heute.

Also eingangs muss ich vielleicht noch erwähnen (wegen der politischen Korrektheit und so *röchel*), dass nix gegen türkische (oder anderweitige) Landsleute habe, sofern sie denn nett sind. Generell unterscheide ich da eh nur zwischen „nett“ und „Arschloch“ mal ganz unabhängig von der Nationalität, aber das geht jetzt in eine andere Richtung.

Heute jedenfalls. Büro. In bester Slapstickmanier hatte meine Kollegin vor ein paar Wochen schwungvoll mit nem Permanentmarker auf unser wahnsinns Whiteboard gemalt. War danach natürlich im Arsch das Ding. Komplett. Wobei ich ja dafür plädiert hatte, das als Kunstwerk hängen zu lassen, denn nachdem wir mit einem Reiniger dem Permanentmarker zu Leibe gerückt sind, sahen die schlierig-schmierigen Überreste unserers „Brainstormings“ schon fast avantgardistisch künstlerisch aus.

Ich hätte das Kunstwerk einfach auf WhiteBoardBrainFuck (WBBF…DIE Überschrift…genauuuuu) getauft und gut. Hätte uns vielleicht sogar noch wer abgekauft. Leider war ich stimmentechnisch in der Unterzahl, weswegen die Kollegin einfach eine neue Tafel orderte. Selbige kam dann heute an…

Schön und gut – ich gehöre ja eigentlich zu den handwerklich begabten (Frauen) und hatte in meinem letzten Job auch mehr als genug Zeit und Möglichkeiten meine Kompetenzen auf zu bauen…dennoch werde ich für sowas a) nicht mehr bezahlt und gibt es b) für solche Zwecke einen Meister des Hauses. Seines Zeichens türkischer Landsmann, ultranett und ultrakompetent.

Leider – und das ist das Problem – ist der gerade krank und man schickte eine Vertretung. Der Typ hat mit dem eigentlichen Hausmeister allerdings nur seine türkische Herkunft gemeinsam. Ok – und vielleicht die Arbeitsklamotten. Ansonsten spekuliere ich darauf, dass die den einfach an irgendeinem dubiosen Sportwettcafé in Karnap gekidnappt haben und ihn nun zwingen Dinge zu tun, von denen er keine Ahnung hat.

Und das ist so ziemlich alles. Jedenfalls alles, was irgendwie handwerkliches Geschick erfordert…der Typ ist der Kracher (und btw – es trug sich ECHT so zu) Ich nenne den guten Mann im folgenden (klischeetriefenderweise) Ali

8:00
Ali kommt mit einem Riesenpaket rein…“hab’sch Tafel hier, schtellsch‘ hin“ spricht, stellt ab und verschwindet…

8:02
Meine Kollegin und ich -> oO?!?

8:05
wir befragen die Chefassistentin, die bei der Erwähnung des Namens „Ali“ zu hyperventilieren droht. Scheint nicht so beliebt, der Typ – noch ahne ich nix böses…die Assistentin verspricht Ali zu beordern, damit er das olle Tafelding schnellstmöglich bei uns anbringt und das Kunstwert, die alte Kacke sowie die Umverpackung entsorgt

9:58
Ali bequemt sich in unser Büro…endlich. Immerhin hat er Akkuschrauber und Bohrhammer dabei. Für so’ne Gipswand braucht man ja schweres Gerät…“Was sollsch mach’n?“ Das offensichtliche in Form eines 1,5 x 2 Meter groflen Paketes ist für Ali anscheinend eher nicht so offensichtlich, er kuckt erstmal doof und entscheidet sich genauere Anweisungen ab zu warten. Wir instruieren ihn kurz und schmerzlos: Altes Board ab, neues Board dran

10:03
Ali hat jetzt 5 Minuten wechselnd an die Wand (altes Board) und auf das (immerhin schon entpackte) Paket mit dem neuen Board gekuckt und fachmännisch festgestellt „s’nisch gleiche Ding…mussch anders machen irgendwie…wissensie wiesch machen muss?“

(anm.d.Red.: die ingenieurs- und handwerkstechnische Meisterleistung besteht darin, dass das alte Board mit je einer Schraube an allen 4 Ecken an der Wand befestigt war. Das neue hingegen muss – obacht! – an eine Schiene gehängt werden, die – man glaubt es kaum – mit 4 Schrauben nebeneinander an die Wand gebracht werden muss. Unfassbarerweise liegt sogar eine bebilderte Montageanleitung bei)

10:05
Ali untersucht sowohl Akkuschrauber als auch Bohrhammer und stellt fest, dass ihm der Schrauber beim Entfernen des altes Boardes nützlich sein kann. Die Einstellung von Rechts- und Linkslauf, um die Schrauben fachgerecht zu entfernen nimmt allerdings ein wenig Zeit in Anspruch

10:10
Das war alles nur zum Aufwärmen…jetzt nämlich fängt der Kalk erst recht an in Alis Hirn zu rieseln. Schliefllich kann man so eine Schiene ja sowohl waagerecht als auch senkrecht und dann auch noch richtig rum oder auf dem Kopf stehend montieren. Darüber muss man erstmal nachdenken…

10:20
Ali konstatiert, nach erneutem begutachten der Wand, dass ein Zollstock jetzt nicht schlecht wäre…er fragt uns, ob wir einen hätten. Haben wir nicht. Um ehrlich zu sein – hätte ich einen gehabt, ich hätte mir die Show trotzdem weiter angesehen und den Zollstock nicht rausgerückt. Ali dackelt also wieder zur Chefassistenz. Die hat zum Glück einen und ich glaube im Augenwinkel erkennen zu können, dass sie mittlererweile in eine Tüte atmen muss

10:25
Nachdem Ali mit seinem Zollstock meiner Kollegin fast ein Auge ausgestochen hätte, hat er immerhin festgestellt, dass das alte Board kleiner war, als das neue. Astrein. Immerhin. Ebenfalls klar geworden ist, dass er mit den alten Schrauben (remember – alle vier Ecken eine) nix anfangen kann. „Mussch‘ neu anzeichnen…kannsch alte Schraube nisch nehme“

10:27
Ali bemerkt, dass er keinen Bleistift hat. Leider gelingt es mir nicht schnell genug die Stifte von meinem Tisch verschwinden zu lassen, so dass er bei mir fündig wird. Mit Zunge im Mundwinkel und zugekniffenem Auge versucht Ali nun freihand die Schiene an zu zeichnen. Mein Einwurf aus dem Hintergrund, dass es nicht schlecht wäre, wenn die ganze Kacke auch gerade an der Wand landen würde bringt ihn kurzzeitig stark aus dem Konzept und mir einen Blick ein, der die Raumtemperatur just um 5 Grad absenkte. Mindestens.

10:30
Ali scheint nervlich leicht angeschlagen. Was will die blöde Trulla (a.k.a. ich) da auch von ihm…irgendwo zwischen Stolz und beseelt von dem Wunsch nicht völlig zu verkacken beschließt Ali mal eben zu „Andi“ zu gehen…wer auch immer Andi ist, möge er ihm behilflich sein…

10:45
Ali kommt wieder…(noch) ohne Andi, aber mit Wasserwaage. Er scheint auch noch eine geraucht zu haben, denn er wirkt ruhiger und informiert uns, dass er sonst weniger Sachen anbringt, sondern ab macht. Genauer gesagt „Machsch normal Grafitti weg an Bahnhof“ Diese Information trägt nicht dazu bei, dass ich Alis Künsten vertraue…eher im Gegenteil

11:05
Ali hat es geschafft 4 Kreuze an die Wand zu bringen. Immerhin. Jetzt kommt auch der Bohrhammer zu seinen Ehren, den er erstmal mit vollem Schlag durch die – immerhin – doppelt beplankte Massivgipswand *hust* jagt. Die Kausalität zwischen Loch bohren – > Bohrmehl -> Gips -> Staub scheint Ali aber erst in dem Moment klar zu werden, als er in einer weißen Wolke steht und den Teppich versaut hat. Unsere Begeisterung wächst minütlich. Meine Kollegin kackt Ali an, ob er noch nie was davon gehört hat einen Staubsauger zu benutzen. Hat er offensichtlich nicht. Daher verhallt dieser Hinweis auch irgendwo im Vakuum zwischen seinen Ohren…Ali Bohrt weiter wie’n Mann und sieht aus, als wäre im ein Beutel Koks im Gesicht explodiert…

11:13
Ali hat zwar einen Bohrhammer aber keinen Hammer. Das nenne ich profimäßig ausgerüstet…Ali verschwindet wieder zum omiösen „Andi“ (der anscheinend alles hat)

11:34
Ali bleibt verschwunden, derzeit stehen 3 andere Kollegen bei uns im Büro, die eigentlich was von uns wollten. Dieses Ansinnen scheint ihnen aber kurzfristig verloren gegangen zu sein, denn auch sie fühlen sich berufen Alis arbeit zu kommentieren und fachmännische Tips da zu lassen, wie die komische Tafel montiert werden sollte. Interessiert mich aber auf Grund der mangelnden Kompetenz der Kollegen auch nur einen Scheissdreck…haltet den Rand und haut ab!

11:53
Ali taucht auf…MIT dem omnösen Andi und seinem Hammer…Andi scheint zwar ’n Plan zu haben, aber dafür noch weniger Bock als Ali. Immerhin instruiert Andi Ali jetzt mit klaren Worten und gibt ihm – vermeintlich – idiotensicher zu verstehen, was zu tun ist. 1. Leiste anschrauben, 2. Tafel einhängen, 3. Saubermachen. Ich wiege mich in trügerischer Sicherheit, als Andi wieder die Kurve kratzt. Kann ja nix mehr schiefgehen…

12:14
Am Arsch…fast 20 Minuten später hat Ali die Leiste an der Wand und bei dem Versuch die Tafel ein zu hängen noch mal eben alles verbogen, einen riesen schwarzen Fleck an die Wand gemacht (wie auch immer er das geschafft hat) und steht nun wieder mit „???“ über dem Kopp vor der Wand und putzt erstmal aus Verlegenheit seinen Bohrhammer…klar…

12:17
Ali scheint sich gesammelt zu haben und zieht es nun vor nochmal Andi zu Rate zu ziehen…logisch, dass man dafür erstmal wieder abhauen muss…

12:29
Andi betritt die Szene und kollabiert instant. Ich – die ich mich ja in trügerischer Sicherheit wähnte – hatte auch nicht mehr so genau hingeschaut und werde anhand von Andis Reaktion auch alarmiert. Unfassbarerweise hat Ali die Leiste zwar angeschraubt, aber auf dem Kopf. Andi verpasst ihm dafür erstmal einen Einlauf, was Ali – der sein Gesicht in Anwesenheit von Weibsvolk (also uns) nun rettungslos verliert – noch durchaus mannhaft nimmt, womit ich ehrlich gesagt nicht mehr gerechnet hatte, da Ali derweil durchaus porös wirkt

12:30
Ali hat allerdings keine Zange, um die alten Dübel aus der Wand zu ziehen und haut erstmal wieder ab. Andi versucht in dessen die Lage irgendwie zu retten. Dazu ist es allerdings schon zu spät…gut denke ich, dass man die Leiste wenigstens nicht mehr sieht, wenn die Tafel mal hängt. Falls es je dazu kommt…

12:35
Andis Anwesenheit beflügelt Ali jedoch enorm…die Zange ist schnell am Mann, doch der nächste Fauxpas wartet schon. Andi nimmt zwar die Sache mit der Schiene in die Hand, begeht aber den Fehler Ali zu instruieren, die verbogene Aufhängung an der Tafel zu begradigen. Dummerweise nimmt Ali dazu den Hammer und individualisiert damit unser brandneues Whiteboard erstmal, in dem der rechte Rand jetzt in unregelmäßigen Abständen ein paar schicke Dellen aufweist

12:48
ich will eigentlich längst Mittag machen, aber DAS kann ich mir nicht entgehen lassen…während Andi noch an der Schiene rumjustiert ist Ali zur Assistentin gegangen und fragt erstmal die wichtigsten Eckdaten ab „Bissu veheiratet? Hassu Freund? Hassu Kind? Wie alt du bist?“ Da einsilbige Antworten Ali anscheinend eher animieren als ab zu schrecken, lässt er sich nur von Andi losreissen, der zur Einhängung der Tafel einen zweiten Mann benötigt. Ich glaube, die Assistenz geht erstmal eine Rauchen…oder Saufen…ich würde ihr beides nicht übel nehmen…

12:52
Sämtliche Begradigungsversuche zeigten nur eine mäßige Wirkung. Das Einhängen der mittlererweile vollkommen verzogenen Tafel in die total verbeulte Schiene gestaltet sich schwierig. Eine fast schon Dick-und-Doof artige Slapstickstimmung liegt in der Luft, als Ali die Tafel tatsächlich jetzt falsch rum aufhängen will. Also mit der Whiteboardseite zur Wand!!! Irgendwie erwarte ich, dass jeden Moment ein Amboss aus dem Nichts runterfällt oder jemand auf einer Bananenschale ausrutscht, weil das schon SO bescheuert ist…leider passiert all das nicht und ich mache mich erneut unbeliebt, in dem ich Ali frage, ob er noch alle auf’m Zaun hat und das Ding gefälligst richtig rum hängen soll…

12:57
Unfassbar. Die Tafel hängt. Leider vollkommen schief. Und damit meine ich VOLLKOMMEN. Nicht nur, dass die Aufhängung nicht mittig ist…nein, das Ding hat auch noch eine verschärfte Neigung. Ali, der mit der Nase nur ca. 5 cm davor steht, findet das nicht. „Issoch grade“ – um besonders professionell zu wirken legt er die Wasserwaage an. Die bestätigt allerdings nur mein Augenmaß und Ali ruft erneut Andi auf den Plan, der eigentlich keinen Bock auf die ganze Scheisse hatte, sich nun aber zumindest berufen fühlt die ehre der Firma zu retten. Andis Motivation hinsichtlich diese Sonderaufgabe rangiert gefühlt bei Minus trölf…immerin fummelt er jetzt halbherzig so lange an der eh schon verbogenen Halterung rum, so dass einem nicht mehr ganz schlecht wird, wenn man auf die Tafel kuckt

13:02
Ali nimmt erneut die Wasserwaage und bestätigt, dass Andis Eingreifen von Erfolg gekrönt war. „Issetz bessa als vorher – kannsch gehen?“ So einfach nicht mein Freund…wir weisen Ali darauf hin, dass er hier immerhin die halbe Bude eingesaut hat und gefälligst seinen Kram wegräumen soll. Das nämlich hat der blitzartig getürmte Andi nicht übernommen, weswegen Ali nun leicht bedröppelt noch den Anweisungen des Weibsvolkes folge leisten muss. Fast tut er mir ja schon ein bisschen leid, als er mir zum Abschied erklärt: „War erste Mal dassch so Zeug anbringen muss was so kompliziert is…nächste mal’sch mache besser un so…“

Bitte kein nächstes Mal…wir haben jedenfalls SOFORT alle Permanentmarker aus dem Büro entsorgt, damit das neue Whiteboard möglichst lange hält…ausserdem überlegen wir dem Originalhausmeister einen roten Teppich aus zu rollen, wenn er wieder da ist…

Immerhin habe ich durch Alis Dreckfleck ein neues „Kunstwerk“ an der Wand…und was mich ECHT interessiere würde…wer war diese Andi, woher kam er und wohin ging er…denn den hab‘ ich hier auch noch nie gesehen oO

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10 Kommentare

  1. Bwaahahahhaha…. Whiteboards…
    Ich habe noch NIE gehört das diese Dinge irgendwo ohne Probleme angekommen sind oder installiert wurden.
    JEDER hat ne lustige Whiteboardgeschicte.

    Aber diese hier ist die Körnung… hihihihi….

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    1. Alter…das Spektakel hat echt 3 Stunden gedauert…und hat mich damit auch meinen pünktlichen Feierabend gekostet…und ehrlich gesagt rechne ich damit, dass das Ding über Nacht wieder runter kommt…

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  2. Oh Gott, oh Gott, ich heul hier gerade vor Lachen! Ich sehe es förmlich vor mir. Herrlich! Astreine Comedy! Sicher, dass das nicht irgendein gewiefter Zug der Chefetage war, um Euch den Arbeitstag zu versüßen? *kicher*

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    1. Ich glaube – und hoffe – das nicht. Wobei der Typ ehrlich gesagt froh sein kann, dass die Chefetage heute nicht im Haus war, denn es hätte durchaus sein können, dass Ali die Tafel dann da stecken hätte, wo die Sonne nie scheint *hust*

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      1. oO das ist zu viel der Ehre…zumal ich gerade was „beunruhigendes“ entdeckt habe…*grmbl* muss da mal was klarstellen…anscheinend hat sich jemand während (und sogar noch vor) meiner Rente meines Namens bedient…ich hatte das verdrängt…

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